Bei einer ausgeprägten Arthrose kann nur ein künstliches Kniegelenk zur Schmerzfreiheit führen.
Erst wenn alle nicht-chirurgisch Maßnahmen nicht mehr helfen, die Schmerzen zu lindern, gleichzeitig die Beweglichkeit und das Gehvermögen eingeschränkt sind und damit die Lebensqualität deutlich herabgesetzt ist, wird Ihr Arzt den Einsatz eines künstlichen Kniegelenkes empfehlen. Ziel dieser Operation ist es, Schmerzfreiheit und eine gute Beweglichkeit zurück zu gewinnen und eventuelle Fehlstellungen zu beseitigen.
Die Knieendoprothetik begann um 1890. Mit zunehmender Erfahrung der Anwender, verbesserten Materialien und technischen Möglichkeiten werden immer bessere Ergebnisse erzielt. Allein in Deutschland werden jährlich ca. 80.000 künstliche Kniegelenke eingesetzt. Eine erfolgreiche Operation nimmt Ihnen den Schmerz und ermöglicht wieder eine gute Beweglichkeit im Kniegelenk. Einzige Einschränkung ist der nicht mehr vollkommene Bewegungsumfang. Diese minimalen Einbußen werden Sie im täglichen Leben aber kaum bemerken.
Wahl des Operationsverfahrens
Bei der Operation eines künstlichen Kniegelenkes – Knieendoprothese – wird zunächst das Kniegelenk von vorn eröffnet und dann so weit gebeugt, dass man alle Anteile gut einsehen kann.
Dann werden die noch vorhandenen Menisci, der oberflächlich zerstörte Knochen und die Knorpelreste entfernt entfernt.Der verbleibende Knochen wird so geformt, dass die Teile des künstlichen Kniegelenkes passgerecht sitzen. Die Bänder des Kniegelenkes werden in der Regel erhalten, um einen möglichst natürlichen Bewegungsablauf – die Rollgleitbewegung – zu bewahren.
Das obere Ende des Unterschenkelknochens (Tibia) wird mit einer Metallplatte bedeckt, die durch einen kurzen, speziell geformten Stiel im Knochen verankert wird. Eine Kunststoffplatte wird in diese Metallplatte eingefügt, um die Reibung zwischen Oberschenkel- und Unterschenkelprothesenteil möglichst gering zu halten. Auf den Oberschenkelknochen (Femur) wird nach entsprechender Bearbeitung ein Metall aufgesetzt, in der Form eines gesunden Femurknochens. Die Rückseite der Kniescheibe (Patella) kann durch eine Kunststoffscheibe ersetzt werden, die dann auf dem Metallschild am Oberschenkelknochen bei den Bewegungen des Kniegelenkes gleitet.
Vor dem Einsetzen der endgültigen Originalprothese werden der Lauf und die Beweglichkeit des Kniegelenkes mit Probeprothesen überprüft.
In der Regel werden die Teile des künstlichen Kniegelenkes mit einem speziellen Zement am Knochen fixiert. Es gibt aber auch durchaus die Möglichkeit, dass der Knochen in eine speziell strukturierte Oberfläche der Prothesenteile einwächst und so das künstliche Gelenk am Knochen fixiert. Man spricht dann von einer zementfreien VerankerungAbhängig vom Grad der Zerstörung des Kniegelenkes wird Ihr Arzt entscheiden, ob ein Teilersatz (Schlitten – unicondyläre Prothese) oder ein totaler Gelenkersatz (bicondyläre Prothese) des Kniegelenkes notwendig ist. Manchmal ist es für den Operateur erst möglich, diese Entscheidung zu fällen, wenn er die Operation bereits begonnen hat und das Knie von innen sehen kann.
Bei modernen Prothesen wie z.B. der P.F.C.® SIGMA- oder der LCS®-Knieendoprothese besteht das Unterschenkelteil aus einer Titan- oder Kobalt-Chrom-Legierung und das Oberschenkelteil aus einer Metall-Legierung Chrom- Kobalt-Molybdän mit einem ganz geringen Nickelzusatz. Die Kunststoffkomponenten sind aus Polyethylen. Das Gewicht dieser Prothese liegt zwischen 350 bis 400 g, je nach Größe des Gelenkes.
Je nach Größe Ihres Kniegelenkes stehen auch verschiedene Größen der Prothesen zur Verfügung. Die modernen Systeme bieten wie ein Baukastenprinzip zusätzliche Erweiterungsmöglichkeiten, um die Prothese dem ZerstörungsgradZerstörungsgrad des Gelenkes anzupassen. Verwendet werden z.B. Schaftverlängerungen oder Metallstücke (Blöcke oder Keile), die zum Ersatz fehlender Knochenteile an den Prothesen befestigt werden.
Bei starker Knochenzerstörung und erheblicher Bandlockerung wird nach Entfernen des hinteren Kreuzbandes eine Kreuzband ersetzende Prothese gewählt. Der wichtigste Unterschied besteht darin, dass bei der Kreuzband ersetzenden Version ein Zapfen an der Kunststoffplatte der Unterschenkelkomponente in eine Vertiefung der Oberschenkelkomponente eintritt. Dadurch wird die stabilisierende Funktion des hinteren Kreuzbandes ersetzt.
Die gesamte Operation wird unter Blutleere des Beines durchgeführt, d.h. durch eine aufblasbare Manschette, die um den Oberschenkel gelegt wird, wird der Blutzufluss in das Bein für eine Zeit unterbrochen. Am Ende der Operation wird die Manschette wieder geöffnet. Noch vorhandene kleine Blutungen werden gestillt, die Drainagen eingelegt und das Knie schichtweise wieder zugenäht und mit einem festen Verband umwickelt. Durch die in die Wunde eingelegten dünnen Drainageschläuche kann das nachsickernde Blut abfließen und damit Blutergüsse verhindern. So früh wie möglich nach der Operation werden Übungen für die Beweglichkeit des Gelenkes gemacht. Mit einem speziell für Sie zusammengestellten Übungsprogramm lernen Sie, das Kniegelenk zu bewegen, die Muskeln zu trainieren und dann wieder zu laufen.
